Samstag, 3. Juli 2010

Die 400 Euro-Jobfalle


Um die finanzschwache Phase zu überbrücken, habe ich mir einen Nebenjob gesucht. Plötzlich wurde es ganz wichtig, alles an Geld zusammenzukratzen, was ging. Kleingeld aus Spardosen wurde am Automaten eingezahlt, Verrechnungsschecks aus einer Nebentätigkeit auf Honorarbasis eingelöst, jede Art von Ausgabe aufs penibelste vermieden.

Ich bewarb mich für allerlei Nebentätigkeiten:

Verkaufshilfe im 1-€-Shop, Beratung im Solarium, Produktionshelferin bei Dunkin’ Donuts, Warenverräumung bei DM und Real, Aushilfe bei McPaper usw.

Von den Unternehmen, von denen ich eingeladen wurde, um mich vorzustellen oder Probe zu arbeiten, entschied ich mich schließlich dafür, als Schmierhilfe bei einem Bäcker morgens die Brötchen zu schmieren. Es ist Ausbeutung. 400€ im Monat bei einer 20h/Woche – ihr könnt euch ausrechnen, was dabei rumkommt. Aber bei der Warenverräumung bei DM wäre ich im Monat bei 3x wöchentlich 3h Arbeit nicht auf 400€ gekommen und Real bot mir den gleichen Stundenverdienst. Und ihr wisst, wie hart Warenverräumung auch körperlich ist.

Das Problem ist, dass man von 400€ im Monat nicht leben kann, wenn man allein an Krankenversicherung 140€ zahlen muss. Fix benötige ich im Monat zum Leben (Wohnung, Handy, Krankenkasse, Essen) 530€. Aber: Nebenjobs auf 400€-Basis lassen sich praktisch nicht kombinieren. Die Arbeitgeber werden es verbieten, einer zweiten Tätigkeit nachzugehen, denn in der Gleitzone zwischen 400 und 800 Euro Verdienst, müssen beide Arbeitgeber Abgaben der Sozialversicherung leisten. Diese aber so gering wie möglich zu halten, ist das Bestreben eines jeden Unternehmens, das Pauschalkräfte einstellt. Außerdem gibt es dann auch Abzüge am eigenen Verdienst und es bleiben keine 800Euro übrig. Was also tun? Eventuell einer zweiten Nebentätigkeit auf Honorarbasis nachgehen. Oder als Freiberufler irgendwas arbeiten. Aber was?

Tipps könnt ihr an dieser Stelle unter Kommentare eintragen.

Inzwischen denke ich, ich sollte eine Halbtagsstelle annehmen, bei der der Arbeitgeber bereit ist, grundsätzlich Abgaben zu zahlen und 30h/Woche arbeiten ist machbar. Nun bin ich also mal wieder immer noch auf Jobsuche…

Sonntag, 27. Juni 2010

Das Arbeitszeugnis

Wusstest du, dass...

... am Beginn eines Arbeitszeugnisses nicht nur dein Name und dein Geburtsdatum, sondern insbesondere auch dein erworbener akademischer Grad genannt werden sollte?

... das Ausstellungsdatum des Zeugnisses eine zeitliche Nähe zum Austrittsdatum haben sollte, da sonst ein Rückschluss darauf möglich ist, dass es bei der Ausstellung des Zeugnisses Diskrepanzen zwischen Arbeitgeber und -nehmer gab (Streit um Formulierungen, Klage wegen einer zu schlechten Bewertung)?

... die Reihenfolge der Tätigkeitsbeschreibung eine Aussage über die Kompetenz darstellen? Stehen unwichtige Aufgaben wie das Öffnen der Post zuerst, bedeutet das, man sollte diesem Mitarbeiter nur untergeordnete Aufgaben übertragen.

... der individuelle Informationsgehalt eines Arbeitszeugnisses durch die Angabe
- von eingesetzter Software, Geräten und Techniken
- der Höhe des Kostenbudgets, des Auftragsvolumens
- der Teilnahme an Projekten und Ausschüssen
- der Vertretung von ranghöheren Mitarbeitern
gesteigert werden kann?

... man beim selber Formulieren des Arbeitszeugnisses oft zu Untertreibung neigt und dies später als mangelhafte Beurteilung verstanden werden kann? Übertreibung laut Positivskala (z.B. erfüllte alle ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit) ist äußerst wichtig für eine sehr gute Beurteilung.

... die Reihenfolge, in der die Personen in der Formel "Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war immer einwandfrei" genannt werden, eine Aussage darüber macht, ob das Verhalten zu den Vorgesetzten (immer als erste zu nennen) tatsächlich einwandfrei war?

... neben einer Danksagung an den Arbeitnehmer am Schluss des Zeugnisses immer auch das Bedauern über das Ausscheiden des Arbeitnehmers angesprochen werden sollte? Durch ein Fehlen der Bedauerns-Formel werden eventuell vorherige Belobigungen negiert!

... bei der Formel der Zukunftwünsche unbedingt stehen sollte: "und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg"? Fehlt das weiterhin, ist dies ein Hinweis darauf, dass der Arbeitnehmer während seiner Zeit bei dieser Firma keinen Erfolg hatte.

... die Unterschrift unter dem Zeugnis etwas über die Wertschätzung des Arbeitnehmers aussagt? Wird es vom Geschäftführer unterschrieben, bringt dies eine gewisse Wertschätzung zum Ausdruck.

... eine Hervorhebung einer Eigenschaft, die in diesem Tätigkeitsbereich vorausgesetzt wird, z.B. Sauberkeit bei der Arbeit mit Lebensmitteln, der Hinweis darauf sein kann, dass es eben damit nicht so gut klappte? Oder die Betonung dieser Selbstverständlichkeiten bedeuten kann, dass es außer dieser Eigenschaft nichts zu loben gab?

Informiert euch unbedingt ausreichend, bevor ihr euer Arbeitszeugnis ausgestellt bekommt, über den Sachverhalt, um rechtzeitig eine Korrektur einzufordern. Ich empfehle euch:
Verena Janssen, Manfred Beden: Arbeitszeugnisse, im Verlag GU erschienen.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Connecticum 2010


Ich verbessere meine Bewerbungsunterlagen nun schon seit über drei Monaten schrittweise. Immer wieder fallen mir Details ein, die eher suboptimal sind, z.B. dass ich mit grauer und schwarzer Schrift arbeite und es doch sein kann, dass meine Unterlagen für den Personaler ausgedruckt werden und der Drucker die graue Schrift nicht mit ausdruckt, oder dass man die Unterlagen doch besser nur in ein PDF packt, statt sie zu gliedern, weil dann das lästige Öffnen der unterschiedlichen Dateien wegfällt.
Letztens bekam ich den Tipp, die Spezifiezierung, ich sei in "Stadtname" in Sachsen geboren, herauszunehmen, da der Chef sonst davon ausgeht, dass ich sächsisch spreche. Ich war geschockt, beleidigt und wusste doch, dass der Einwand berechtigt ist. Was für eine dumme Welt das da draußen doch ist. Nun, ich werde diese Sache ändern.
Um mir weiteres Feedback einzuholen, ging ich zur Connecticum in Berlin, einer Absolventenmesse mit der Chance, Firmenkontakte zu knüpfen. Um mein Déjà-vu-Gefühl noch zu verstärken, fiel mir auf, dass ich bereits ein Jahr zuvor dort gewesen bin, nämlich mit einer engagierten Freundin meines Freundes und sie war damals super schick gekleidet und ich weiß noch, was ich für tadelnde Blicke von irgendwelchen karrieregeilen, Einser-Schnitt-Absolventinnen ob meiner sportlichen Straßenschuhe und meines Kord-Jackets erhielt.
Diesmal wollte ich zum Bewerbungsmappencheck. Ich kam da an und zog mich um, gab meinen Rucksack ab und stolzierte los. Kaum am ersten Stand angekommen, machte ich kehrt. Der Check war doch relativ öffentlich, anstehende Bewerber konnten auf die Unterlagen des Vorgängers schauen. Ich drehte eine Runde im Ausstellerzelt, ging dann ins zweite, merkte, dass mir die Hitze darin bald zu schaffen machen würde und machte mich dann auf, meinen Check einzufordern.
Die Ergebnisse:
  • Ich muss mein Anschreiben mehr auf das Unternehmen zuschneiden und zum Beispiel das Motto des Unternehmens auf meine Selbstpräsentation anwenden.
  • Ich muss mich als Marke darstellen. Dazu muss ich wissen, was ich kann und was ich will.
  • Immerhin: Formal gab es nichts zu bemängeln.
Ein schaler Geschmack blieb dennoch im Mund zurück. Da draußen gibt es echt eine Absolventen-Elite mit Karrieredenken und Führungszielen und einer glänzenden Zukunftsaussicht auf Grund der "richtigen" Wahl des Studienganges. Das ist eine Welt, die ich immer ignoriert habe. So etwas ließ sich an meiner FH nicht mal erahnen. Ich bin wirklich Universen von diesen jungen Menschen entfernt, ich strebe weder nach Macht noch nach dem großen Geld. Selbstverwirklichung ist wohl eher das Kredo meiner Jobsuche. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich ein Mädchen bin.

Es geht weiter!

Liebe Freunde der kurzweiligen Blog-Unterhaltung... Freuet euch! Es ist alles beim Alten!

Ich wünschte, ich könnte euch sagen, jetzt starte ich durch. Wer glaubte, nachdem ich als Praktikant 6,5 Monate geackert habe und mich dann noch einem weiteren freiwilligen, unbezahlten Job hingegeben habe, sei nun meine Zeit gekommen, der irrt. Ich stehe da, wo ich noch vor einem Jahr war. Ich bin ziellos, weiß weder, was ich kann, noch was ich will und muss mir (wieder) zwei Weisheitszähne entfernen lassen. Genau wie vor einem Jahr. Welch Ironie.
Ich bin bestrebt, mich zu verbessern oder genauer: meine Bewerbungsunterlagen und versuche gleichzeitig Selbstfindung zu betreiben. Und wie tut man das am Besten? Indem man in den Urlaub fährt, natürlich.
Nächste Woche werde ich also erst einmal ausspannen und dabei über mich selbst nachdenken. Wobei, nein, welch faux pas, ich werde mich auf meinem Fahrrad mit 70km Radtouren und mehrstündigen Boot-Paddel-Ausflügen abquälen. Aber das sollte der Selbstfindung nicht hinderlich sein.
Ich bin sicher, ihr seid genauso gespannt wie ich auf die Ergebnisse dieser Reise (der Inneren wie der tatsächlichen) und als Anregung, den Blog zu verfolgen, verweise ich an dieser Stelle auf meine baldigen Diät-Tipps und das Update meiner Körperumfänge. Also, bleibt dran.