Donnerstag, 27. August 2009

Das Gefühl Armut

Ich bekomme ein Praktikumsentgeld. Mehr als in anderen Firmen, aber doch noch weniger als 400Euro. Bis gestern war ich arm. Seit gestern bin ich offizieller Hartz-IV-Empfänger. Jetzt kann ich, wie mein Freund sagt, "rumhartzen".
Kein Geld zu haben, das ist echt ein komisches Gefühl. Mein Eltern zwackten schon ab, wo es ging, aber das Gewissen nagte an mir. Meine Mutter verdient sehr wenig und mein Papa ist berufsunfähig und bekommt nicht einmal den Hartz-IV-Grundsatz. Ich hatte sie schon während des Studiums ausgenommen und nun war ich als Diplom-Ingenieur immer noch von ihnen abhängig. Ich fühlte mich schlecht. Mein Freund unterstützt mich, wo er kann, er ist echt ein Schatz. Aber irgendwie war es auch so ungerecht. Nur weil wir ein Paar sind, muss er für mich sorgen. Er verdient auch zum ersten Mal im Leben Geld und muss es gleich an seine Freundin weiterreichen. Bei einem Besuch der Gärten der Welt in Marzahn musste er mir die 3€ Eintritt ausgeben. Ich hatte nicht einmal diese drei Euro übrig.
Manchmal lag ich nachts deswegen wach. Am Tag googlete ich im Internet nach Nebenjobs. Leider lässt sich nicht jeder mit dem Vollzeitpraktikum vereinbaren. Panik machte sich breit. Auf einmal war es nicht mehr möglich, sich auch nur ein kleines Konsumgut zu gönnen.
Seit gestern bekomme ich Hartz-IV. Auf einmal habe ich wieder Geld zur Verfügung und weiß eigentlich nicht, was ich nun tun soll.
Ich könnte meinem Freund und meinen Eltern erst einmal zurückzahlen, was sie mir gegeben haben. Oder ich könnte es sparen. Ich könnte mir etwas kaufen. Irgendwie weiß ich nicht mehr, was besser ist. Der Verzicht hat mich auch zu einem besseren Menschen gemacht, irgendwie. Aber das Gefühl, eigentlich nicht einmal ein Geschenk für jemanden kaufen zu können, war manchmal so lähmend. Aber auch inspirierend. Dann muss man das Geschenk halt basteln. Oder sich eben was einfallen lassen. Jetzt könnte ich wieder eins kaufen, aber will ich das!?
Arm zu sein, auf alles verzichten zu müssen, hat mich auch stärker gemacht. Ich musste über mich hinauswachsen. Mich einschränken. Ich hätte nie gedacht, dass ich das könnte. Und was wird jetzt passieren? Werde ich wieder in mein altes Muster zurückfallen? Wieder dem Konsum fröhnen? Ich weiß es nicht. Ich habe auf einmal Angst davor, Geld zu haben...

Montag, 17. August 2009

Eine verwirrende Woche

Irgendwie ist alles komisch

Die vergangene Woche hat mich doch über vieles nachdenken, heulen und lachen lassen.
Ganz am Anfang ging es damit los, dass ich von einem Producer darauf hingewiesen, oder noch eher zurechtgewiesen wurde, dass ich am Telefon echt mal nachfragen soll, wer dran war. Ich habe echt Probleme mit dem Telefonieren, ich muss immer an das Telefon gehen, wenn es klingelt und dann durchstellen. Manchmal melden sich die Leute nuschelnd mit ihrem Namen, dem ewig langen Firmennamen und sagen dann schon worum es geht, wen sie sprechen wollen. Wenn ich dann die Auskunft gebe, "der ist gerade im Gespräch" sagen einige, "ach, dann schreibe ich eine Email" und legen schnell auf. Ich weiß dann manchmal weder, wer angerufen hat, noch was er wollte. Total blöd natürlich, aber ich vertrau ja auf Mensch und Technik und denke, der schreibt dann eine Email. Aber natürlich wäre es besser, wenn ich wüsste, wer dran war. Und dann wurde ich eben von dem Producer zurechtgewiesen. Wie ich das Wort verabscheue! An dem Tag hab ich am Abend dann noch einen Heulkrampf gehabt. Da ging es dann aber auch noch um eine zweite Sache.
Ich hatte mir unseren Newsletter angeschaut und bemerkt, dass er kein Layout hat. Er hat zwar eine gute Struktur, nicht zu viel Text, ein Bild usw. Aber er ist nicht grad ein Aushängeschild. Was erklärt, warum keiner aus der Firma es für nötig hält, diesen Newsletter an Freunde und Verwandte zu schicken. Klar, wir können damit die Einschaltquoten nicht erhöhen, selbst wenn mehr Leute unsere Sendung schauen würden. Und auch die Klickzahlen auf ARTE+7 würden sich nicht merklich erhöhen. Aber irgendwie finde ich, dass auch ein wenig Eigenverantwortung jedes der Teammitglieder vorausgesetzt werden sollte, um unsere Sendung zu bewerben. Na ja. Jedenfalls habe ich mir Gedanken gemacht und den halben Tag rumexperimentiert und überlegt und war am Schluss überzeugt:
Ich werde mich mit HTML beschäftigen und uns einen tollen Newsletter bauen. Juhu.
Am nächsten Tag erfahre ich von einem Mitarbeiter, dass einer der Producer zu ihm gesagt hat, ich würde mich zu viel mit dem Newsletter beschäftigen, den würden es nur 12 Leute lesen. Ich sollte lieber wichtigeres tun. Ich fand es eine Frechheit, es über einen Dritten zu erfahren und auch diese Einstellung gefiel mir nicht. Denn:
1. Ich habe zur Zeit nichts wichtiges zu tun.
2. Der Producer hat mir außer einer DVD-Kopie noch NIE eine Aufgabe gegeben.
3. Ich werde nicht in die aktuellen Vorgänge einbezogen, bekomme keine Recherche- oder sonstige Aufgaben.
4. Mit der Newsletter-Aufgabe hätte ich endlich mal was lernen können.
5. Ich finde es zum Kotzen, wenn jemand mein Engagement für die Firma nicht zu schätzen weiß. Ich will eben nicht der Praktikant sein, der immer nur getan hat, was ihm gesagt wurde. Ich will der Praktikant sein, der hervorstach, weil er sich wertvoll in verschiedenen Bereichen eingebracht hat. Und die Sortieraufgaben kommen mir da noch ein bisschen popelig vor.
Ich hätte schreien können, dieser doofe Typ hat damit echt meine ganze Motivation zerstört. Verstehe einfach nicht, warum der auch nicht mir mir persönlich darüber geredet hat, dann hätte ich ihm gleich mal was erzählt. Aber so habe ich keine Möglichkeit, seine Ansicht zu ändern, denn ich kann ja schlecht zu ihm gehen und ihm sagen, "eh, der Typ1 hat gesagt, du hast zu ihm gesagt, dass ich..."
Der Tag war echt Scheiße. Ich heulte mir am Abend die Augen aus, weil ich mich ungerecht behandelt fühlte. Am nächsten Tag nervte ich alle mit meiner guten Laune. Am Freitag war dann alles super gut, als ich beauftragt wurde, für die beiden Producer eine Liste zusammenzustellen mit 10 für mich interessanten Künstlern als Vorschläge für unsere Sendung. Und die Liste kam richtig gut an. Es sei kein einziger Künstler drauf gewesen, den man direkt ablehnen würde und einige davon wurden wohl auch schon angefragt. Wow. Ich war auf Wolke 7.
Blöd, wie einen die Arbeitswelt stimmungstechnisch so beeinflussen kann, oder?

Dienstag, 11. August 2009

Mittagspause



Die Praktikantin darf zuletzt

Jeden Tag das gleiche. Gegen 12:30 beginnen die ersten Gespräche: Wann gehen wir Mittag essen? Die Männer gehen gemeinsam, klar die unterhalten sich ja über die Sendungen. Gegen 13:15 brechen sie dann endlich auf. Wenn sie wieder da sind, gehen die zwei Producerinnen. Da ist es bereits 14:30. Halb vier darf ich dann endlich meine Mittagpause antreten. Vor lauter Hunger habe ich nen säureüberschuss im Magen und daraus resultierendes Stechen im Bauch. Um die Uhrzeit habe ich dann oft keine Lust mehr raus zu gehen und setze mich statt dessen nur in die Küche, lese Zeitung und trinke einen Kaffee. Aber auch da schaffe ich es hin und wieder, eine ganze Stunde zu vertrödeln, bevor ich zurück an meinen Platz gehe.
Zum Mittag gibt es zwei belegte Schnitten und einen Müsliriegel. Und dazu nen tollen Ausblick in den Innenhof. Entspannung pur, kann ich da nur sagen. Manchmal besucht mich auch jemand in der Küche. Doch leider gehts in den Gesprächen nur um neue Aufgaben für mich. Ist ja nicht so, dass man sich auch mal persönlich kennen lernen könnte...