zwischen bedingungsloser Hingabe und einvernehmlicher Ausbeutung!
In der vergangenen Woche habe ich jeden Tag ein wenig mehr das Gefühl gehabt, dass ich mich von meiner Firma ausnutzen lasse. Vielleicht ist es ja irgendwie ein Teil der normalen Arbeitswelt, dass man hin und wieder Arbeiten erledigt, die sonst nicht zum Job gehören. Aber wenn es Arbeiten sind, hinter denen man einfach keinen Sinn sieht, ist die Sinnkrise nicht mehr weit. So auch letzte Woche. Ich wurde gefragt, ob ich denn Zeit hätte und da es wie bereits beschrieben zur Zeit sehr ruhig ist im Büro, gab ich zu verstehen, dass ich gern eine Aufgabe übernehmen möchte.
Leider handelte es sich ums Transkribieren eines Tapes, das nicht in geringster Weise etwas mit unserer Arbeit zu tun hat. Das Interview auf dem Tape wurde für ein Buch gemacht, hatte also nichts mit einer unserer Kultursendungen oder ähnlichem zu tun. Deshalb verstand ich dann am dritten Tag meiner Arbeit an dem Tape auch die Welt nicht mehr. Für wen zur Hölle erledigte ich hier gerade die Drecksarbeit? Warum wird kein echter "Transkriptor" mit der Aufgabe betreut? Und wie viel Geld bekommt meine Firma dafür, dass sie dem armen Prakti hier mal eine mehrtägige Beschäftigung aufbürdet?
Ja, aufbürdet, denn ohne vernünftige Software, in einem 4-Mann Büro neben einem ständig klingelnden Telefon und den ständigen Bitten der Anderen ausgesetzt, doch noch diese oder jene DVD zu kopieren, war es sicher kein schnell zu erledigendes Zuckerschlecken. Es raubte mir jeden Nerv. Vor allem wegen der unfähigen Interviewerin und deren Entscheidung, das Mikro draußen im Wind auf einem Tisch zu platzieren, wo alle möglichen Störgeräusche vorprogrammiert waren. Ich dachte, mir platzt das Trommelfell.
Ich fand das alles so ungerecht. Nur weil ich gerade Zeit hatte, nur weil ich eine billige Arbeitskraft war und meine Hilfe auch noch angeboten hatte, musste ich das nun durchziehen.
Irgendwie ist es ein sehr schmaler Grat zwischen der Bereitschaft, alles für die Firma und ihre Mitarbeiter zu tun, sie zu unterstützen, wo es geht und sich um die kleinen Popelarbeiten zu kümmern, die sonst keiner macht und dem Gefühl, sich versklavt zu haben und für einen Hungerlohn Arbeiten zu erledigen, für den andere sich zu schade vorkommen, zu wichtig und zu gut bezahlt sind, um ihre Zeit daran zu verschwenden.
Manchmal steht man auf der Kippe zur Ausbeutung. Und obwohl man sich mit der Unterschrift auf dem Praktikumsvertrag praktisch freiwillig in die Ausbeutung begibt, erhofft man sich doch, dass einem Chancen und Möglichkeiten durch das Praktikum eröffnet werden, dass man noch hinzulernt, dass einem was beigebracht wird. Man weiß, man ist eine billige Arbeitskraft und doch hofft man das Beste: Dass man übernommen wird, dass man Kontakte knüpft, dass man ganz viele wertvolle Erfahrungen macht. Ich glaube, so lange die Praktikumsfirma es schafft, diese Hoffnung aufrecht zu erhalten, wird ihr Praktikant immer wieder neuen Mut fassen und Motivation aufbauen.
Hoffen wir, dass meine Firma mir diesbezüglich morgen einen neuen Anstoß gibt.
Sonntag, 19. Juli 2009
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